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Fake News

Quelle: wavebreakmedia / shutterstock.com Standard-Lizenz

Fake News verbreiten sich in Windeseile im Internet, besonders auf sozialen Netzwerken und vorallem auf Facebook. Im „postfaktischen Zeitalter“ scheinen verifizierte Inhalte für viele Menschen nicht sonderlich weit oben auf der Prioritätenliste zu stehen – was ins eigene Weltbild passt und die eigenen Überzeugungen unterstützt, wird geliked, geteilt, kommentiert, ganz egal, ob es einer seriösen Quelle entstammt oder nicht.

Ein Problem, das Facebook schon länger kennt: Durch seine Algorithmen werden den Nutzern fast ausschließlich Beiträge angezeigt, die ihnen entweder bereits gefallen oder potenziell gefallen könnten. Besonders im Bezug auf Nachrichten und politische Meinungsbildung ist das jedoch problematisch. Ein Viertel der Deutschen informiert sich täglich über Facebook – und sieht somit fast nur Inhalte, die dem persönlichen Weltbild bereits entsprechen. Wie soll es da möglich sein, sich eine differenzierte und reflektierte Meinung zu bilden und auch die Gegenposition zu berücksichtigen, wenn man sich nicht selbst darum bemüht?

Facebook Fakebook Hatebook - über Hass und Fake News im größten sozialen Netzwerk der Welt
Quelle: Jäger & Sammler

Dass Fake News – besonders solche, bei denen es sich um ein brisantes Thema wie beispielsweise die Flüchtlingspolitik handelt – von derart vielen Menschen als glaubwürdig eingestuft und weiterverbreitet werden, ist daher auch auf die Facebook-Algorithmen zurückzuführen. Man ist eher geneigt, einem Beitrag Glauben zu schenken, der die eigene Meinung widerspiegelt; ein Post, bei dem dies nicht der Fall ist, wird deutlich schneller als unglaubwürdig eingestuft. Besonders dann, wenn das Vertrauen einer Person in die öffentlichen Medien sowieso schon gering ist, werden eher alternative Quellen herangezogen, um sich zu informieren.

Gerüchte im Netz - von saferinternet.at
Gerüchte im Netz - von saferinternet.at

Laut dem Hamburger Abendblatt könne der Wahrheitsgehalt einer Nachricht unter anderem dadurch festgestellt werden, indem überprüft wird, ob andere große, renommierte Nachrichtenportale ebenfalls darüber berichten. Für einige Menschen ist das jedoch keine Option, da sie diesen Medien genauso wenig oder sogar noch weniger trauen. Umso schneller schenken sie ihr Vertrauen Personen oder Meldungen, die vorgeben, Wahrheiten zu verbreiten, welche den Menschen angeblich durch den Staat vorenthalten werden sollen.
Das zeigt ein Fall aus Oberbayern: Hier hatte eine 55 Jahre alte Frau einen Post veröffentlicht, in dem sie schrieb, dass sie „stocksauer“ sei. Eine 17-Jährige sei von einem Flüchtling brutal vergewaltigt worden und habe notoperiert werden müssen. Den Einsatzkräften vor Ort sei gesagt worden, dass von dem Fall nichts an die Öffentlichkeit gelangen dürfe, da es sich bei dem Täter um einen Flüchtling handele.
Die Polizei Oberbayern schrieb zwar kurze Zeit später auf ihrer Facebook-Seite, dass die Meldung frei erfunden sei. Bis dahin wurde sie allerdings schon hundertfach geteilt. Dieser Fall verdeutlicht das zuvor genannte Problem: Einer Person auf Facebook, die im selben Bezirk wohnt oder mit der man auf Facebook befreundet ist, wird oft eher getraut als öffentlichen Medien.

Überprüfen sollte man auch Quelle und Autor der Nachricht. Handelt es sich um eine eigene Webseite, so sollte diese immer ein Impressum oder eine Kontaktmöglichkeit aufweisen. Tut sie das nicht, kann man relativ sicher sein, dass es sich um eine unseriöse Seite handelt – auch, wenn sie professionell aufgemacht scheint.

Eine Anleitung zum herausfinden von Fake News bietet mimikama.at 

Doch das Beispiel zeigt: Auch das funktioniert nicht immer. Gerade auf Facebook kann meist kein Impressum bzw. Quelle geprüft werden; man kann höchstens nachsehen, ob das Profil, von dem die Nachricht ausgeht, glaubwürdig scheint oder ob es sich womöglich um ein Fake-Profil handelt. Im Falle der 55-Jährigen hätte es jedoch schon gereicht, dass sie ihr Profil löscht und es wäre fast unmöglich gewesen, nachzuverfolgen, von wem die Nachricht ausging. Je öfter und weiträumiger ein Beitrag geteilt wird, desto komplizierter ist es, seinen Ursprung festzustellen.

Die Macht von "Fake News"
Quelle: Terra X Lesch & Co

Einem syrischen Flüchtling namens Anas Modamani wurden solche Falschmeldungen zum Verhängnis: Ein Selfie mit Angela Merkel, das er im Sommer 2015 machte, wurde von mehreren rechtspopulistischen Seiten und Personen für Hetze missbraucht. So exisitieren beispielsweise zahlreiche Fotomontagen, die Modamani als angeblichen Terroristen zeigen oder als Mitglied jener Gruppe junger Männer, die einen Obdachlosen in der Straßenbahn anzündeten. Der 19-Jährige, der seit zwei Jahren in einer Gastfamilie lebt, Deutsch lernt und hier auch bald studieren möchte, geht jetzt mit einem Anwalt gegen diese Falschmeldungen vor und möchte erreichen, dass Facebook solche Beiträge in Zukunft löschen muss.

Darüber hinaus wird es zunehmend schwieriger, sogenannte Social Bots, die eine menschliche Identität vortäuschen und auch zur Wahlbeeinflussung genutzt werden können, von echten Profilen zu unterscheiden. Sie verbreiten massenhaft Beiträge, welche Stimmung für oder gegen Parteien, bestimmte Bevölkerungsgruppen etc. machen. Der Hashtag #RefugeesNotWelcome auf Twitter hatte auch aus dem Grund eine derartige Reichweite, dass zigfache Bots ihn ständig nutzten und so andere Beiträge in den Hintergrund drängten. Tatsächlich werden Social Bots immer realistischer: Früher reichte es meist, einen Blick in die Freundesliste oder auf die hochgeladenen Fotos der Person zu werfen. Wirkten die vorhandenen Bilder wie als seien sie einer Model-Datenbank entnommen, waren sie alle erst kürzlich hochgeladen worden und waren kaum Freunde vorhanden, so konnte man sich fast sicher sein, dass es sich um ein Fake-Profil handelte. Mittlerweile sind die Profile der Social Bots allerdings deutlich professioneller angelegt – so professionell, dass eine Dating-Plattform es schaffte, sehr viel Geld durch sie zu verdienen: Sie generierte 70.000 weibliche Fake-Profile, die fortan mit männlichen Nutzern der Plattform chatteten, welche für jede gesendete Nachricht zahlen mussten.