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„Alexa, warum hörst du mich ab?“ - „Weil du so dumm warst, mich zu kaufen!“

Quelle: kirstyfields / pixabay.com Lizenz

Vor etwa einem Jahr wurde der Sprachassistent „Alexa“ mit dem „Big Brother Award“ „ausgezeichnet“. Amazon erhielt den Negativ-Preis, weil den Nutzern nicht mitgeteilt wird, welche Daten in der Cloud wie lange gespeichert werden und wer darauf zu welchen Zwecken zugreifen kann. Dass Alexa diesen Preis „verdient“, zeigt ein aktueller Bericht des Wirtschaftsmagazin Bloomberg. Wie dort berichtet wird, hören Amazon-Teams Aufzeichnungen von Alexa-Geräten ab, um deren Spracherkennung zu verbessern. Die Mitschnitte betreffen auch vertrauliche Informationen aus Gesprächen im Hintergrund, welche - ohne dass zuvor das Aktivierungswort gesagt wurde - aufgezeichnet wurden.
    
Lautes Singen unter der Dusche, lärmende Kinder oder Fälle von sexueller Belästigung. Die Sprachanalyse-Teams von Amazon bekommen Aufnahmen zu hören, die die eigenen vier Wände eigentlich nie verlassen sollten.
Die Wanzen-Funktion von Alexa wird von Amazon verharmlosend so dargestellt: „Zum Beispiel verwenden wir Ihre Befehle an Alexa, um unsere Systeme zur Spracherkennung und zum Verstehen natürlicher Sprachen zu trainieren.“
Datenschutzfreundliche Voreinstellungen? Fehlanzeige! Wer verhindern will, dass seine Aufzeichnungen zur Weiterentwicklung des Dienstes genutzt werden, muss dies selbst unterbinden, und zwar in den Alexa-Datenschutzeinstellungen und die „Verwendung von Sprachaufnahmen für die Entwicklung neuer Funktionen“ deaktivieren.
Doch nicht nur Amazon interessiert sich für die Aufnahmen: Auch deutsche Sicherheitsbehörden wollen gerne mithören. Wie das ARD-Magazin „Kontraste“ berichtet, sollen die Hersteller nunmehr per Gesetz aus dem Innenministerium gezwungen werden, den Sicherheitsdiensten Zugang zu den Geräten zu geben. Bisher müssen die deutschen Behörden noch den Umweg über Amerika nehmen. Dort sind die Konzerne bereits heute verpflichtet, den Sicherheitsdiensten Zugang zu bestimmten Dateien zu gewähren.

 

Mehr Infos:
heise.de
datenschutznotizen.de
rbb24.de