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USA: Strafverfolger verlangen Tausende Standortdaten von Google

Quelle: Utility_Inc / pixabay.com Lizenz

Um die Suche nach Verdächtigen zu erleichtern, können US-Strafverfolgungsbehörden Google per Gerichtsbeschluss zur Herausgabe von Standortdaten zwingen. Hierdurch kann herausgefunden werden, welches Smartphone sich zu welchem Zeitraum in einer bestimmten Gegend befand.

Die im Englischen „reverse location research“ genannten Gerichtsbeschlüsse werden von US-Strafverfolgern gerne eingesetzt, um einzugrenzen, wer sich in der Nähe eines Tatorts befunden hat. Google hat nun erstmals offengelegt, wie viele solcher Beschlüsse das Unternehmen bisher erhalten hat. Im Jahr 2018 waren es 982 Beschlüsse, im Folgejahr 8396 und 2020 sogar 11.554.

Google sammelt die Daten dabei von Nutzerinnen und Nutzer auf verschiedenen Wegen (z. B. Google Maps, Foto-Apps, Google-Suchanfragen) und speichert diese in einer Datenbank. Strafverfolger erhalten dann zunächst unter Angabe des Zeitraums und der Koordinaten anonymisierte Informationen der dort registrierten Geräte. Der Kreis der potenziellen Täter wird daraufhin eingegrenzt und das Unternehmen muss nun gegebenenfalls offenlegen, zu welchen Google-Konten die Geräte gehören (also E-Mail-Adresse und Nutzernamen herausgeben).

Problematisch ist, dass Google selbst dann noch Standortdaten erhebt, wenn Nutzerinnen und Nutzer seiner Apps dies in den Einstellungen deaktivieren, so ein Bericht der Nachrichtenagentur AP von 2018. Google widersprach den Vorwürfen, änderte daraufhin aber die Formulierung auf seiner Hilfeseite. Hierdurch sollte klarer gemacht werden, dass die Option „Standortverlauf deaktivieren“ allein nicht ausreicht, um die Datensammlung zu unterbinden.

Um effektiv zu verhindern, dass Google keine Bewegungsprofile speichert, müssen Nutzerinnen und Nutzer die Kontoeinstellungen ihrer Google-Accounts verändern. Unter dem Punkt „Daten und Datenschutz“ muss unter „Einstellungen für den Verlauf“ „Web- und App-Aktivitäten“ bzw. „Standortverlauf“ ausgewählt werden. Auf der dann folgenden Seite befindet sich ein Schalter, über den diese Aktivitäten deaktiviert werden können. Erst dieser Weg führt laut AP dazu, dass die Standorthistorie nicht verfolgt wird. Hier können auch bereits gespeicherte Daten gelöscht werden.

Zum Abschluss noch ein Beispiel, was Standortdaten potenziell anrichten können: Die New York Times berichtete 2019 von einem Mann, der irrtümlich des Mordes beschuldigt und sechs Tage eingesperrt wurde, weil sich sein Handy laut Standortdaten in der Nähe des Tatorts befunden hätte. Er verlor in der Folge seinen Job.

Von Bürgerrechtsorganisationen wird daher kritisiert, dass „reverse location research“ auch Unschuldige zu Verdächtigen macht.

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