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Ray-Ban Stories: Der Brillenhersteller und Facebook haben ein gemeinsames Produkt geschaffen, eine filmende Sonnenbrille

Quelle: 5191107 / pixabay.com Lizenz

Das soziale Netzwerk Facebook bastelt am „Metaverse“ und nutzt dazu eine Sonnenbrille mit integrierter Kamera. Nur ein kleines Lämpchen an der smarten Brille signalisiert, dass ein Video aufgenommen wird. Dies wird von Datenschützern zu Recht kritisiert.

Kürzlich hat Facebook seine neue Computerbrille vorgestellt. Für 300 US-Dollar erhält man eine Brille, die es den Trägern erlaubt, Bilder und kurze Videos aufzunehmen und zu teilen, Musik zu hören sowie Anrufe entgegenzunehmen. Das Produkt soll dazu dienen, in öffentlichen und privaten Räumen sein Umfeld fotografieren zu können oder kleine Filme aufzunehmen, um diese auf der neuen Facebook-App „View“ sortieren und teilen zu können.

Kritiker sagen, dass solche smarten Brillen die soziale Landschaft grundlegen verändern werden. Man könnte zukünftig in der Öffentlichkeit nie sicher sein, ob Menschen um einen herum in diesem Moment eine quasi geheime – weil kaum sichtbare – Überwachungstechnologie tragen und einsetzen könnten. Bisher konnte man zumindest erkennen, wenn eine Aufnahme zum Beispiel mit einem Smartphone gemacht wird. Die neue Brille werde es noch schwieriger machen, da sie aussieht wie nahezu jede andere Ray-Ban-Sonnenbrille und auch ihr Markenlogo trägt. Andere Kamerabrillen wie die Snap Spectacles oder Google Glasses hatten bisher immer auffällige Designs, die neue Facebook-Brille ist nun deutlich schlichter und könnte viel mehr Menschen ansprechen.

Facebook verspricht zwar, dass die View-App ein „sicherer Raum“ sein soll, aber das Hochladen von Daten über die App in andere Facebook-Apps macht es unklar, welche Datenschutzrichtlinien gelten und wie die von der Brille aufgezeichneten Inhalte letztendlich verwendet werden. Personen, die die Ray-Ban Stories verwenden, könnten auch einem zusätzlichen Tracking ausgesetzt sein. Die Sprachbefehle des Trägers werden von der Brille aufgezeichnet und mit Facebook geteilt. Um dies zu verhindern, muss der Nutzer explizit ablehnen.

Bislang hat Facebook auch nur fünf „Verantwortungs-Regeln“ für Personen aufgeführt, die die Brille kaufen. So werden Nutzer angehalten, das kleine Licht nicht abzudecken, und gebeten, beim Arzt, in der Umkleide oder in religiösen Räumen vom Filmen abzusehen. Davon auszugehen, dass sich die Nutzer tatsächlich an diese Regeln halten werden, ist entweder sehr naiv oder sehr optimistisch.

Eine Reporterin des „Wall Street Journal“ in New York hat getestet, ob das in der Brille eingebaute Signallämpchen wirklich vor ungewollten Aufnahmen schützen kann. Von den Passanten hat kaum jemand gemerkt, dass sie gefilmt wurden. Auch das Aktivieren per Tippen auf den Bügel fällt nicht auf. Der Sprachbefehl „Hey Facebook, take a video“, der leicht außer Hörweite abgegeben werden kann, ebenso wenig.

James Vincent, Reporter beim Technikportal “The Verge” hat einen konkreten Verdacht, was künftig noch folgen könnte. Auf Twitter postete er: „Das ist kein Tech-Produkt, das dazu designt wäre, ein spezifisches Problem zu lösen; es ist ein Produkt, das die Akzeptanz für Facebooks zukünftige Brillen mit eingebauter Gesichtserkennung einleiten soll.“ Dass zukünftige smarte Brillen das Gegenüber identifizieren könnten, ist dabei nicht weit hergeholt. Facebook besitzt die Daten und die Technologie, um die Gesichter seiner mehr als 2,8 Milliarden Nutzer zu erkennen. Und auch Gesichter von Nicht-Nutzern sind gespeichert, wenn sie auf hochgeladenen Fotos auf der Plattform vorkommen.

Ray-Ban Stories sind aktuell in den USA, Kanada, Großbritannien, Irland, Italien und Australien erhältlich. In Deutschland sind die Brillen derzeit noch verboten und das aus gutem Grund, sie verstoßen gegen das Telekommunikationsgesetz , da es sich demnach um eine Sendeanlage handelt, die vortäuscht, ein Gegenstand des täglichen Gebrauchs zu sein.

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