Welche Rolle spielst du?

Die einen gefährden den Datenschutz, die anderen fördern ihn. Mittendrin stehst du mit deinem Selbstbestimmungsrecht und deiner Privatsphäre, die durch den Datenschutz eigentlich geschützt werden sollen. Welche Rolle übernimmst du und wo steht die „Generation Internet“ insgesamt, wenn es um den Datenschutz geht?

Du hast die Wahl. Selbstbestimmung heißt: du kannst den Datenschutz voranbringen, du kannst ihn aber auch vernachlässigen. Welchen Weg du gehst, hängt sicherlich davon ab, welchen Wert du deinen Daten und deiner Privatsphäre einräumst.

Dazu gibt es eine Reihe von Umfragen und wissenschaftlichen Untersuchungen. Sie kommen alle zum selben Ergebnis: der Datenschutz als allgemeines Prinzip ist den meisten jungen – auch den älteren – Menschen wichtig. Als konkrete Handlungsanleitung allerdings in der Regel nicht maßgeblich. Wer ein Produkt in einer datenschutzfreundlichen und einer datenschutzfragwürdigen Variante kaufen kann, nimmt die fragwürdigere, wenn sie etwas günstiger zu bekommen ist. Man bezeichnet das auch als Datenschutzparadox.

Werde Herr deiner persönlichen Daten
Quelle: EU-Justice

Viele ziehen daraus den Schluss, dass der "Generation Facebook" nicht besonders viel am Datenschutz liege. Es gibt allerdings Anzeichen, dass sich die Einstellung ändert.

Aus einer Untersuchung aus den USA geht hervor, dass junge Leute bei der Wahl ihrer Apps sehr genau hinsehen, ob diese datenschutzfreundlich ausgestaltet sind. Ist dies nicht der Fall, werden die Apps einfach wieder gelöscht.

Bei uns in Deutschland gibt es eine ähnliche Entwicklung. Die Privatsphäreneinstellung bei Facebook nutzen die jugendlichen User mittlerweile weitaus häufiger als noch vor zwei Jahren.

Auch das ist ein gutes Zeichen. Es ist sicherlich auf die vielen Informationen zurückzuführen, die es mittlerweile zu diesem Thema gibt, online wie offline. Das lässt den Schluss zu, dass die Einstellung zum Datenschutz und dessen Handhabung in der Praxis maßgeblich davon abhängen, welche Kenntnisse die Menschen von einem Onlineanbieter, seinen Angeboten und seinen Absichten haben.

Auch wenn die „Generation Facebook“ mittlerweile die Zusammenhänge besser erkennt als die Elterngeneration, überschätzen sie doch häufig ihre Fähigkeiten. Die Universität Mainz hat dies in einer Untersuchung über Google dokumentiert. Die meisten Jugendlichen glauben zu wissen, wie die Google-Suchmaschine funktioniert und wie Treffer-Anzeigen zustande kommen. Ein Praxistest zeigte dann aber, dass sie sich falsch eingeschätzt hatten. Es waren ihnen viele Zusammenhänge nicht klar.

Welche Konsequenzen muss man daraus ziehen? Die Datenschützer plädieren für mehr Medienkompetenz durch mehr digitale Aufklärung und mehr digitale Beratung in den Schulen, aber auch außerhalb der Schulen. Erfolgreich wird dies nur sein, wenn diese Angebote auch angenommen werden.

Für den Datenschutz ist es überlebenswichtig, dass sie wirklich wahrgenommen, ernstgenommen und dann auch angenommen werden. Denn allein durch den Staat, seine Gesetze und seine unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden lässt sich Datenschutz nicht realisieren, jedenfalls nicht im Web 2.0. Das zeigt ein kurzer Abstecher zum Straßenverkehr. Dort regelt der Staat genau, wie sich jeder Verkehrsteilnehmer auf den Autobahnen und auf sonstigen Straßen verhalten muss, was er darf und was er nicht darf. Für die Datenautobahnen, insbesondere im Internet, gilt dies aber nicht. Es gibt zwar Regeln, die bestimmen, was Internetunternehmen dürfen und was sie nicht dürfen. Aber es gibt keine Regeln, wie sich die Onliner zu ihrem eigenen Schutz im Netz verhalten sollten.

Diesen Schutz müsst ihr deshalb zum Teil auch selbst organisieren. Es ist so wie beim Fahrradfahren. Ein Helm schützt und die Erfahrung, dass man aus Straßenbahnschienen mit dem Rad wieder rauskommt, kann wirklich hilfreich sein.

Überträgt man das auf den Selbstdatenschutz, dann heißt das, dass man auch selbst achtsam und vorsichtig sein muss, vor allem wenn man im Internet unterwegs ist, sei es vom PC aus oder mit dem Smartphone. Dann muss man die Risiken kennen und wissen, wie man sich davor selbst schützen kann.

Dazu gibt es kluge Regeln und Anregungen. Meistens machen sie Mühe oder sind vielleicht sogar lästig. Aber das ist immer so, wenn man eigene Rechte behaupten und vielleicht sogar etwas gegen den Strom schwimmen will.

Im Mittelpunkt des Selbstdatenschutzes stehen die Rechte, die die Datenschutzgesetze jedem Einzelnen einräumen, von dem der Staat oder Wirtschaftsunternehmen Daten erheben und speichern. Sie gelten sowohl für den Online- wie für den Offline-Bereich.

Das Auskunftsrecht ist das wichtigste Recht. Jeder kann erfragen, welche Daten, welche Stelle von ihm erhoben und gespeichert, für welche Zwecke diese Daten benötigt werden und woher sie stammen. Dieses Recht kann man gegenüber der Schule und der Polizei, aber auch gegenüber Google und Facebook ausüben. Es lohnt sich wirklich, davon Gebrauch zu machen.

Das Auskunftsrecht wird ergänzt durch das Recht, unrichtige Daten und Informationen berichtigen und unzulässig erhobene Daten löschen zu lassen. Auch von diesen Rechten wird viel zu selten Gebrauch gemacht. Wer unsicher ist, wie er dabei am besten vorgehen soll, kann sich an den Datenschutzbeauftragten wenden. Wir helfen gerne.

Weitere Informationen

Digitale Vorsorge. Selbstdatenschutz im Internet
von: datenschutz.rlp.de

Chatten. Teilen. Schützen! - Materialpaket zur sicheren Nutzung von Chats und Communitys
von: bmfsfj.de

Passwortprüfer
von: checkdeinpasswort.de

Passwortprüfer
von: sicherheit-macht-schule.de

Der Wert der Privatsphäre
von heise.de

Teenager und Datenschutz: Ich lass mich nicht orten
von: spiegel.de

Nutzer wissen wenig über Google
von: zeit.de

Kalifornien räumt Minderjährigen Recht auf Vergessen ein
von: heise.de

"Googleisierung" der Online-Informationssuche
von: uni-mainz.de