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Cro und Co.

Was haben der Rapper Cro, die französische Band Daft Punk, Stefan Raab, George Clooney und Rihanna mit dem Datenschutz zu tun?

Eine der radikalsten Formen von Anonymität hat der Street-Art-Künstler Banksy für sich gewählt. Über seinen tatsächlichen Namen gibt es nur Vermutungen. Bilder von seinem Gesicht existieren nicht. Über seine Herkunft wird spekuliert und sein Alter ist gänzlich unbekannt.

 

 

Grafitty Banksy Kameraüberwachung
Banksy-Grafitty in London
Quelle: redcountess / flickr.com (CC-BY-SA)
Rapper Cro mit Pandamaske
Cro
Quelle: Avda / Wikimedia (CC-BY-SA)

Cro zeigt sich bei seinen Konzerten oder in seinen Videos nie ohne seine Pandamaske. Sie garantiert ihm eine gewisse Anonymität und erlaubt es ihm, sich ansonsten unerkannt in der Öffentlichkeit zu bewegen. „Wenn ich die Maske absetze, bin ich einfach Carlo, ein ganz normaler Typ“, sagte er dazu (via spiegel.de).

Auch die französische Band Daft Punk tritt seit den neunziger Jahren nur mit Kostümen auf, die ihre Köpfe wie Motorradhelme komplett umschließen. Auch von ihren Gesichtern gibt es keine Fotos. Sie haben daraus sogar ihr Markenzeichen gemacht.

Es gibt auch andere Möglichkeiten, sich und sein Privatleben zu schützen. Der Graf, ehemaliger Frontmann und Songschreiber von Unheilig, tritt nicht unter seinem richtigen Namen, sondern mit einem Pseudonym auf und verrät so gut wie nichts über sein Privatleben. Man kennt noch nicht einmal sein Geburtsdatum.

Stefan Raab
Stefan Raab
Quelle: Daniel Kruczynski / flickr (CC-BY-SA)

Bei Stefan Raab sieht es nicht viel anders aus. Kein Entertainer steht so sehr in der Öffentlichkeit wie er. Doch von seinem Privatleben gibt er kaum etwas preis. Das bleibt für die Medien unerreichbar. Wer sich darüber hinwegsetzt, wird verklagt.

Comedian Atze Schröder versuchte lange, seinen Realnamen geheim zu halten, er ging dazu sogar gerichtlich gegen Wikipedia vor. Von ihm existieren keine Bilder ohne Perücke. Zu seinem Verhalten erklärte Schröder: "Ich gehe auch nicht auf Galas und möchte nicht in der Gala stehen. Das ist alles, und dafür wird jeder Verständnis haben" (via badische-zeitung.de).

George Clooney
George Clooney
Quelle: Georges Biard / Wikimedia (CC-BY-SA)

Hollywood-Star George Clooney hält, obwohl er von seiner Bekanntheit lebt, von sozialen Netzwerken gar nichts: "Ich würde lieber eine Prostata-Untersuchung von einem Arzt mit eiskalten Händen über mich ergehen lassen als eine Facebook-Seite zu haben. Was in meinem Kopf vorgeht, ist meine Privatsache.“

Daniel Hartwich steht als Moderator vieler großer RTL-Sendungen wie Let’s Dance oder dem Dschungelcamp in der vordersten Reihe der Öffentlichkeit. Dennoch sagt er von sich: „Ich bin ein Freund des unmittelbaren und direkten Gesprächs, alles andere begeistert mich nicht. Ich habe Facebook mal drei Wochen lang ausprobiert, fand es aber eher anstrengend.“

Andere schützen sich, indem sie nur in der analogen Welt leben, also ständig offline sind. Zu ihnen zählt etwa Greta Gerwig, der Star aus den Filmen „Lola gegen den Rest der Welt“ und „Francis Ha“ (vgl. SZ 27./28. Juli 2013, S. V2/10).

Wieder andere sind immerhin zeitweise online und testen im Übrigen, wie ein Leben ohne Netz und Handy wäre. Christoph Koch hat dazu einen Selbstversuch durchgeführt und darüber auch ein Buch geschrieben („Ich bin dann mal offline“).

Die meisten Menschen sind allerdings mehr oder weniger regelmäßig online, zuweilen schützen sie sich dann aber dadurch, dass sie ihre Internetkommunikation oder ihre Aktionen völlig anonym durchführen. Zu ihnen zählen auch die Netzaktivisten von Anonymous, die sich darüber hinaus auch öffentlich auch nur mit Masken abbilden lassen.

Andere sind zwar auch regelmäßig im Netz, überprüfen aber ebenso regelmäßig, was dort über sie und von ihnen gespeichert wird. Der österreichische Student Max Schrems hat dies gegenüber Facebook praktiziert und dabei durchgesetzt, dass ihm ein Einblick in die von Facebook gespeicherten Daten gegeben wurde. (vgl. europe versus Facebook).

Graffiti Mark Zuckerberg
Mark Zuckerberg Streetart
Quelle: aisletwentytwo / flickr (CC-BY)

Facebook-Gründer und Chef, Mark Zuckerberg, handelt im Internet nach einer Doppelmoral: Er selbst ist auf Facebook nicht aktiv, postet nichts Privates und schottet sein Privatleben so gut es geht ab Er kaufte Grundstücke rund um sein Haus für ca. 10 Millionen $, damit diese nicht bebaut werden können und niemand Einsicht in sein Haus oder seinen Garten hat. Was den Schutz seiner Mitglieder angeht, sagt er jedoch: „Die Privatsphäre ist ein Ding von gestern, ein Wert der niemanden mehr interessiert“

Viele sind sowohl off- wie online wenig zurückhaltend und kommunizieren und posten was das Zeug hält. Die Liste dieser Zeitgenossen ist viel größer als die der Zurückhaltenden, auch unter den Promis. Die van der Vaarts und nicht zuletzt Boris Becker sind hier erschreckende Beispiele der Selbstinszenierung.

Aber es gibt sogar dazu noch eine Steigerung. Man kann nämlich auch versuchen, mit seinen eigenen Daten selbst Geld zu verdienen, also aus der Selbstvermarktung ein eigenes Geschäftsmodell zu machen. Das versucht der New Yorker Student Frederico Zannier. Auf der Crowdfunding-Plattform „Kickstarter“ bietet er bestimmte Informationen über sich und sein Netzverhalten für 200 Dollar pro Interessenten an.

Heutzutage hat man also viele Möglichkeiten durchs Leben zu gehen: mit Maske und ohne Maske, online oder offline, total öffentlich oder total zurückgezogen. Im Prinzip kann jeder auf dieser Skala zwischen öffentlich und privat seinen Lebensstandpunkt suchen und finden. Dieses Recht ist jedem durch unser Grundgesetz garantiert. Gemeint ist das allgemeine Selbstbestimmungsrecht.

Dieses Recht sollte jeder ganz bewusst wahrnehmen und nicht einfach irgendetwas mitmachen, nur weil es andere auch tun. Voraussetzung dafür ist, dass jeder die jeweiligen Vor- und Nachteile seines Verhaltens gegeneinander abwägt. Die Informationen, die man dafür braucht, liefert diese Seite.