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Datenspuren im Netz

On the Internet nobody knows you’re a dog“ sagt auf einer Karikatur aus dem Jahr 1993 ein Hund zu einem anderen.

Er sitzt vor einem PC, eine Pfote auf der Tastatur und erklärt offenkundig einer zu ihm aufschauenden Promenadenmischung das Internet. Die Möglichkeit, unter virtuellen Identitäten zu surfen oder in Foren zu diskutieren, suggerierte Anonymität. Zwar traf dies nicht wirklich zu, aber die damaligen Möglichkeiten des User Trackings waren noch nicht so ausgereift.

Das Internet von heute bietet eine Vielzahl von Diensten, und bei ihrer Nutzung entsteht ein Datenschatten. Jeder Klick, jeder Chat, jedes Foto, jede Suche, jeder Post, jede Nachricht – alles hinterlässt Datenspuren. Und oft werden diese gespeichert, ausgewertet und zu Nutzerprofilen verdichtet. Warum? Die Antwort heißt Werbung. Im Internet ist vieles, vielleicht sogar das meiste, kostenlos, obwohl Aufwand an Personal und Technik dahinter steht. Dieser finanziert sich vielfach über Werbung, und je genauer diese auf den potentiellen Kunden abgestimmt ist, je mehr man über ihn weiß, desto mehr kann erlöst werden.

Wo wir überall Daten-Spuren hinterlassen
Quelle: ARD Mittagsmagazin

Vielleicht willst du dir aber beim Surfen nicht ständig über die Schulter schauen lassen. Das ist dein gutes Recht. Anonymität ist nichts Unanständiges. Wir bleiben im Alltag schließlich oft anonym, z.B. wenn wir an der Kinokasse bar bezahlen, eine Zeitschrift kaufen oder eine DVD. Warum also nicht auch im Internet? Auch Superhelden unterscheiden ja zwischen ihrer Rolle als Kämpfer wider das Böse und der Rolle im normalen Leben. Wenn Batman sich erholen will, möchte er vielleicht nicht, dass man erfährt wo er Urlaub macht, schließlich will er seine Ruhe haben. Das ist Teil seiner Privatsphäre. Deshalb bucht er eben als Bruce Wayne. Und wenn Spiderman zum Arzt geht, weil ihm schwindlig ist, tut er das auch besser als Peter Parker. Genauso möchten viele im Internet nicht immer erkannt oder beobachtet werden. Und dagegen kann man etwas tun!

Das heißt nicht, dass man das Internet meiden soll, aber es heißt, dass man bewusst mit seinen Daten umgeht, auf ein paar wesentliche Dinge achtet und Datenspuren vermeidet oder von Zeit zu Zeit beseitigt.

Um welche Datenspuren geht es dabei? Zunächst um die IP-Adresse. Sie wird bei jedem Klick mitgeschickt und verrät einiges über den Nutzer. Sie lässt sich oft ziemlich genau dem Wohnort zuordnen oder jedenfalls der Region, aus der man kommt. Schau mal nach:
www.utrace.de

Graffitti von Spurensucher mit Lupe
Quelle: © Dieter Schuetz / pixelio.de

In Verbindung mit den Angaben, die der Browser mitschickt ist erkennbar, woher man kommt. Hast du dich schon einmal gefragt, warum du in der Regel deutsche Werbung zu sehen bekommst? Wieso keine auf Französisch oder Spanisch? Der Browser verrät zudem über den sogenannten „Referrer“, auf welcher Internetseite du zuvor gewesen bist.

Browser ist im Übrigen nicht gleich Browser, so wie kein VW-Golf dem anderen gleicht. Sie unterscheiden sich in Baujahr, Farbe, Ausstattung, Aufklebern, Schrammen oder Roststellen. Bei den Browsern sind dies Version, Konfiguration, Spracheinstellung oder Bildschirmauflösung. Deshalb kann es immer wieder nützlich sein, wenn du weißt, wie dein Browser-Fingerabdruck aussieht und ob er dir zugeordnet werden kann.

Um Google und Co. ein wenig zu verwirren, kannst du den User Agent Switcher installieren. Der ist für viele Browser vorhanden und ermöglicht es dir, deine Browseridentität zu verschleiern. Aus dem Firefox Version x wird so schnell der Internet Explorer Version x oder umgekehrt. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Die Datenkraken haben es so erheblich schwerer, dich zu identifizieren.

Jedes Mal, wenn man eine Internetseite aufruft, erzeugt dies eine Datenspur. Ob man in Google, Bing oder Yahoo etwas sucht, sich ein Video ansieht oder einen Blog liest, meist wird dies protokolliert. Zwar ist daraus nicht direkt erkennbar, wer du bist, dies kann sich jedoch schnell ändern. Im Jahr 2006 stellte der Dienst America Online (AOL) 20 Mio. Anfragen von 650.000 Nutzern an seine Suchmaschine ins Internet: www.aolstalker.com.

Nach kurzer Zeit hatte die New York Times darin Thelma Arnold aus Lilburn,Texas ausfindig gemacht, die sich über die Krankheiten ihrer Bekannten im Internet informierte und deren Hund noch immer auf das Sofa pieselte.

Thelma Arnolds voller Name war zwar nicht in den Daten enthalten, aber über ihre IP-Adresse, Suchbegriffe und -gewohnheiten konnte sie identifiziert werden.

Was z.B. Google über seine Nutzer weiß, lässt sich gut über das Google Dashboard erkennen. Auch wenn Google hier natürlich nur die Daten auflistet, die du ihnen offensichtlich überlassen hast.

Für jeden Nutzer, der bei Google für einen der zahlreichen Dienste registriert ist, zeigt das Dashboard, wonach über Google gesucht wurde, welche Orte oder Routen auf Google Maps für den Nutzer von Bedeutung waren, wie sich die Internet-Aktivitäten monatlich, wöchentlich oder täglich verteilen und vieles mehr.

Von großer Bedeutung sind hier die „Cookies“, Informationen, die von den Webseiten die du besuchst, auf deinem Rechner abgelegt und beim nächsten Besuch ausgelesen werden. Häufig werden Cookies dabei nicht nur von der jeweiligen Webseiten gesetzt, sondern über dort platzierte Werbung auch von Unternehmen wie z.B. Doubleclick. Diese können über diese Cookies erkennen, auf welchen Seiten du gewesen bist. Wenn man die Cookies zusammen nimmt, lässt sich recht gut erkennen, was du im Internet so alles getan hast.

Onlinekurs Cookies
Quelle: Stiftung Universität Hildesheim

Ähnlich ist es mit der Chronik bzw. der Verlaufsanzeige deines Browsers.

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass auf Webseiten benutzte Links manchmal die Farbe wechseln? Und dass dies noch so ist, wenn du nach einiger Zeit wieder auf die jeweilige Seite gehst. Woher weiß die Seite noch nach Wochen, was du dir beim letzten Besuch angesehen hast? Die Antwort liegt in deiner Browser-Chronik, wo dies gespeichert wird. Diese Information kann aber von Seiten, die du besuchst häufig abgefragt werden. Teste doch einmal, wie weit deine Browser-Chronik zurückreicht und wie viel sie über dich verrät.

Eine ganze Menge an Informationen also, und wie das Beispiel von Thelma Arnold zeigt, können sie in der Zusammenschau oft einer bestimmten Person zugeordnet werden.

Wenn man das so nicht möchte, was kann man tun? Für Cookies und die Chronik des Browsers kann man in den Browsereinstellungen selbst festlegen, ob man diese will oder nicht oder dass diese Daten von Zeit zu Zeit gelöscht werden. Wie, erfährst du hier.

Die meisten Browser bieten auch einen „Privatmodus“, der dafür sorgt, dass solche Datenspuren vermieden werden.

Bei anderen Punkten ist die Sache nicht so einfach, weil manches technisch bedingt ist. Aber auch hier lassen sich Datenspuren zumindest reduzieren. So gibt es datenschutzfreundliche Suchmaschinen wie ixquick, die die IP-Adressen der Nutzer anonymisieren oder gar nicht erst speichern.

Wenn du diese Dinge berücksichtigst, dann erfährt am Ende tatsächlich niemand, dass du eigentlich ein Hund bist.

Who´s watching you? Unsere alltäglichen Datenspuren
Quelle: SIN - Studio im Netz

Weitere Informationen

Von Web-Tracking zum App-Tracking
von: klicksafe.de und irights.info

Datenschutz im (mobilen) Internet
von: klicksafe.de

Your Privacy - Schütze deine Privatsphäre!
von: your-privacy.de

Adblock Plus blockiert neues Facebook-Werbetracking
von: heise.de

Datenschutzreform sollte auch IP-Adressen schützen
von: zeit.de

Do Not Track
von: ARTE / BR / ONF

Videos

Tor
von: 3sat.de

Wo wir überall Daten-Spuren hinterlassen
von: ARD Mittagsmagazin

Anonym surfen einfach erklärt
von: alexanderlehmann